Zeugnisbewertung
Als Beurteilungskriterien für ein auszustellendes Zeugnis sind in der Regel das Führungsverhalten, die Initiative, die Sachkenntnis, die Verantwortung, die Zuverlässigkeit, die Kontaktpflege, die Fähigkeit zur Fortbildung, die Intelligenz, die Mitarbeiterführung, das Durchsetzungsvermögen, die Belastbarkeit, die Entscheidungsfreudigkeit, die Kommunikationsfähigkeit, das motivierende Verhalten, das Verantwortungsbewusstsein, die Selbstständigkeit sowie die Kooperation mit anderen heranzuziehen.
Der Aufbau eines Zeugnisses sollte sich an folgendem Schema orientieren:
1. Angaben
zur Person und Dauer des Arbeitsverhältnisses
2. Beschreibung des Arbeitsplatzes (des Krankenhauses bzw. der Station)
3. Auflistung des Aufgabengebietes des Arztes
4. Bewertung der Arbeitsleistung
5. Erwähnung der absolvierten Fort- bzw. Weiterbildungen
6. Bewertung des Sozialverhaltens
7. Gesamtbeurteilung
8. Ausscheidungsgrund
9. Dankes- und Zukunftsformel
Für ein Weiterbildungszeugnis verlangt § 9 die Weiterbildungsordnung Sachsen-Anhalt vom 16.04.2005, dass der befugte Arzt ein Zeugnis erstellt, „das im Einzelnen die erworbenen Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten darlegt und zur Frage der fachlichen Eignung ausführlich Stellung nimmt“. Bei der Darstellung der erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sind die Richtlinien der Weiterbildungsordnung zugrunde zu legen. Es wird im Einzelnen verlangt, dass darin vorgeschriebenen ärztlichen Leistungen (z. B. Operationen) nachzuweisen sind. Vielfach wird für die Weiterbildungsassistenten ein kombiniertes Zeugnis aus „normalem“ Zeugnis und Weiterbildungszeugnis erstellt, dieses sollte dann alle oben erwähnten Punkte enthalten.
Zu den Punkten im Einzelnen:
1. Angaben
zur Person und Dauer des Arbeitsverhältnisses: Es sollte darauf geachtet
werden, dass die akademischen Titel aufgeführt und die Daten richtig
wiedergegeben sind.
2. Beschreibung des Arbeitsplatzes: Hier sollte eine kurze Beschreibung des
Hauses bzw. der Abteilung erfolgen, in der der Arzt eingesetzt war.
3. Auflistung des Aufgabengebietes: Die ausgeführten Tätigkeiten
im Einzelnen aufgeführt werden.
4. Bewertung der Arbeitsleistung: Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer die
erbrachte Arbeitsleistung zu bewerten. Dabei wird sich vielfach der sogenannten
Zeugnissprache bedient. Hinsichtlich der Tricks und Fallstricke sei auf die
unten stehenden Ausführungen verwiesen.
5. Erwähnung der absolvierten Fort- und Weiterbildungen: Für den
zukünftigen Arbeitgeber ist es wichtig, ob der beurteilte Arzt Bereitschaft
zur Fort- und Weiterbildung aufweist.
6. Bewertung des Sozialverhaltens: Bei der Bewertung des Sozialverhaltens
wird sich meistens der Zeugnissprache (siehe unten) bedient.
7. Gesamtbeurteilung: Eine zusammengefasste Gesamtbeurteilung sollte das Zeugnis
abschließend abrunden.
8. Ausscheidungsgrund: Sie sollten darauf achten, dass der Grund über
das Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis erwähnt ist (Eigenkündigung
des Arztes, Auflösungsvertrag, Kündigung oder aufgrund des Ablaufes
einer Befristung).
9. Dankes- und Zukunftsformel: Die Dankes- und Zukunftsformel ist ein wesentlicher
Bestandteil des Zeugnisses.
Nachdem das BAG vor einigen Jahren die Schlussformel als nicht notwendigen Bestandteil in einem Zeugnis angesehen hat, gab es in den letzten Jahren jedoch Urteile in denen entschieden wurde, dass diese Schlussformel Bestandteil sein muss. Ist eine Schlussformel nicht vorhanden, schwächt dieses den sonstigen Zeugnisinhalt ab oder entwertet ihn sogar ganz.Unterschrieben werden sollte das Zeugnis vom Chefarzt, da nur er den zu beurteilenden Arzt einschätzen kann. Ist das Zeugnis vom Verwaltungsdirektor o. ä. unterzeichnet, entsteht eine negative Note, welche den Rückschluss zulässt, dass ein angespanntes Arbeitsverhältnis vorlag und der Chefarzt daher seine Unterschrift verweigert hat.
Zeugnissprache
Über die Notwendigkeit einer stilisierten Zeugnissprache wurde schon
vielfach diskutiert. Tatsache ist, dass viele Arbeitgeber sie bei der Zeugniserteilung
und Lesung anwenden. Sie sollten darauf achten, dass sich keine Formulierungen
im Zeugnis finden, die eine unterschiedliche Bewertung des zu beurteilenden
Arztes zulassen. Die folgenden beispielhaften Formulierungen sollen Ihnen
eine Hilfestellung geben. Diese sind an Schulnoten ausgerichtet, sie beziehen
sich auf die Bewertung der Arbeitsleistung, des Sozialverhaltens und der Bereitschaft
zu Fort- und Weiterbildungen:
| Sehr gut | |
| Bewertung der Arbeitsleistung | |
| · seine Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere volle Anerkennung gefunden | · erledigte seine Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit |
| ·
erledigte zugeteilte Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit |
· er verstand es in allerbester Weise seine Mitarbeiter zu überzeugen und zu motivieren, sodass er alle ihm übertragenen Aufgaben mit sehr großem Erfolg verwirklichen konnte |
| · er war sehr hilfsbereit | · war im höchsten Maße zuverlässig |
| ·
arbeitete stets zuverlässig und genau |
· hat vereinbarte Ziele selbst unter schwierigsten Bedingungen zumeist noch übertroffen |
| · erzielte herausragende Arbeitsergebnisse | · zeigte außergewöhnliches Engagement |
| · stets hoch motiviert | · hatte oft neue Ideen |
| · neue Situationen stets sehr gut und sicher meisterte | · optimale Lösungen fand |
| · sein Aufgabengebiet beherrschte | · über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse verfügt |
| Sozialverhalten | |
| · er wurde wegen seines freundlichen Wesens und seiner kollegialen Haltung bei Vorgesetzten und Mitarbeitern sehr geschätzt | · wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Patienten stets als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt |
| Gut | |
| Bewertung der Arbeitsleistung | |
| · wir waren mit seinen Leistungen immer sehr zufrieden | · er hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen |
| · arbeitete stets zuverlässig und gewissenhaft | · hatte neue Ideen |
| · neue Arbeitssituationen erfolgreich meisterte | · über umfassende Fachkenntnisse |
| · die zugeteilten Aufgaben stets zur vollen Zufriedenheit | · erledigte Aufgaben stets selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit |
| · zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität | · zeigte stets Initiative, Fleiß und Ehrgeiz |
| · engagierter Mitarbeiter | |
| Sozialverhalten | |
| · sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei | · er war hilfsbereit |
| · Vorgesetzte und Kollegen schätzten ihn als kooperativen Mitarbeiter | · Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Patienten war einwandfrei |
| Weiterbildung | |
| · er überzeugte
seine Mitarbeiter und förderte die Zusammenarbeit. Er informierte
sein Team, regte Weiterbildung an und delegierte Aufgaben und Verantwortung
und erreichte so ein hohes Abteilungsergebnis |
|
| Befriedigend | |
| Bewertung der Arbeitsleistung | |
| · er hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen | · war verantwortungsbewusst |
| · führte zugeteilte Arbeiten systematisch aus | · Arbeitsqualität war überdurchschnittlich |
| · er führte seine Mitarbeiter zielbewusst zu überdurchschnittlichen Leistungen | · arbeitete
gewissenhaft und zuverlässig |
| · hat Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit erledigt | · zeigte Engagement und Initiative |
| · stets sorgfältig und genau | · über solide Fachkenntnisse |
| · in neuen Situationen zurechtfand | · vereinbarten Ziele erreichte |
| Sozialverhalten | |
| · seine Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war gut | · das Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich |
| Ausreichend | |
| Bewertung der Arbeitsleistung | |
| · hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt | · er hat unseren Erwartungen entsprochen |
| · zeigte keine Unsicherheiten bei der Ausführung seiner Aufgaben | · Arbeitsqualität entsprach den Anforderungen |
| · erledigte zugeteilte Aufgaben zu unserer Zufriedenheit | · Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen |
| · arbeitete sorgfältig und genau | · mit Sorgfalt und Genauigkeit |
| · er motivierte seine Mitarbeiter und erreichte so befriedigende Leistungen | · solides Basiswissen |
| Sozialverhalten | |
| · das Verhalten zu Mitarbeitern war vorbildlich | · das Verhalten zu Vorgesetzten war einwandfrei |
| · sein persönliches
Verhalten war insgesamt einwandfrei |
· die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Mitarbeitern verlief meist reibungslos |
| Mangelhaft | |
| Bewertung der Arbeitsleistung | |
| · er hat die ihm übertragenen Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse durchgeführt | · er hatte Gelegenheit, alle innerhalb der Abteilung zu erledigenden Arbeiten kennen zu lernen |
| · war in der Regel erfolgreich | · entsprach im Allgemeinen den Anforderungen |
| · hat die Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt | · zeigte, nach Anleitung, Fleiß und Ehrgeiz |
| · bemühte sich im Allgemeinen den Anforderungen zu entsprechen | · im Wesentlichen |
| · ohne Schwierigkeiten | · mit Unterstützung des Vorgesetzten |
| Sozialverhalten | |
| · das persönliche Verhalten war insgesamt einwandfrei | · er war stets um ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten bemüht |
| Ungenügend | |
| Bewertung der Arbeitsleistung | |
| · er hat nach Kräften versucht, die Leistungen zu erbringen, die wir an diesem Arbeitsplatz fordern müssen | · Arbeitsqualität
entsprach meistens den Anforderungen |
| · war um zuverlässige
Arbeitsweise bemüht |
· war stets bemüht den üblichen Arbeitsaufwand zu bewältigen |
| · hat die Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt | · zeigte, nach Anleitung, Fleiß und Ehrgeiz |
| · war bestrebt sich neuen Situationen anzupassen | · er zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse |
| · sich bemüht | · bestrebt war |
| Sozialverhalten | |
| · Das persönliche
Verhalten war im Wesentlichen tadellos |
· er hatte zu seinen Mitarbeitern ein weit besseres Verhältnis als zu seinen Vorgesetzten |